List Forum

List Forum 02/2018

Henning Klodt
Wirtschaftspolitik und Verteilung: Editorial

Gustav A. Horn
Wie entstand die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland und was sollte man dagegen tun?

Jochen Hartwig
Wachstumsfolgen von Einkommensungleichheit – Theorie, empirische Evidenz und Politikempfehlungen

Carl Christian von Weizsäcker
Verteilungswirkungen von Staatsschulden

Georg Götz
Wettbewerbspolitik, Marktmacht und die Einkommen der oberen Zehntausend – Eine anekdotische Bestandsaufnahme

Stefan Okruch
Gerechtigkeit durch Recht? Möglichkeiten und Grenzen der (Selbst‑)Regulierung der Managementvergütung

Ivo Bischoff, Björn Frank, Vibeke Müller
Wirtschaftspolitische Wählerpräferenzen: Unabhängig – oder manipulierbar durch politische Handelsmarken?

Kees van Paridon
Towards a more inclusive future

 

Henning Klodt: Wirtschaftspolitik und Verteilung: Editorial

„Verteilung“ war das zentrale Thema der Jahrestagung des Wirtschaftspolitischen Ausschusses im Verein für Socialpolitik, die Anfang März 2018 in Witten/Herdecke stattfand. Dabei ging es nicht nur um die Bestandsaufnahme, sondern auch um mögliche politische Eingriffe, so dass – passend zum Namen des Ausschusses – der vollständige Titel der Veranstaltung lautete: „Wirtschaftspolitik und Verteilung“.

Während zu Zeiten der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder noch die Arbeitslosigkeit ganz oben auf der politischen Agenda stand, wurde dieses Thema in Zeiten der Kanzlerschaft von Angela Merkel durch das Verteilungsthema von den vorderen Rängen verdrängt. In den Debatten unter Ökonomen stehen dabei zwei Aspekte im Vordergrund: Ist die ökonomische Theorie (insbesondere die Neoklassik) überhaupt in der Lage, Verteilungsfragen angemessen zu würdigen, oder verstellt sie sich mit ihrer starken Betonung der Allokationseffizienz selbst den Blick darauf? Und hat die Ungleichheit der Verteilung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten überhaupt zugenommen? Unsere Jahrestagung zielte darauf ab, eine vorläufige Zwischenbilanz dieser Debatten zu ziehen und zugleich weiterführende neue Fragestellungen und Forschungsstrategien aufzuzeigen.

Kein Zweifel dürfte daran bestehen, dass die „gefühlte“ Ungleichheit in Deutschland deutlich zugenommen hat. Wie Gustav-A. Horn in seinem Beitrag verdeutlicht, ist es allerdings alles andere als trivial, ein klares Urteil über die Veränderung der tatsächlichen Ungleichheit zu treffen. Je nach Messkonzept und Datenbasis stellen sich recht unterschiedliche Ergebnisse ein. Es erscheine allerdings gerechtfertigt, für die Jahre ab 2003 eine Zunahme der Einkommensungleichheit in Deutschland konstatieren, wobei dieser Trend lediglich im Gefolge der Finanzkrise 2008 einen vorübergehenden Dämpfer erhalten habe. Wie Horn zugleich zeigt, ist die Ungleichheit in den Primäreinkommen durch das Steuer- und Transfersystem spürbar abgemildert worden.

Als Treiber der Ungleichheit stehen nach Horn die Unterschiede zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Vordergrund, insbesondere die Unterschiede zwischen Teil- und Vollzeitbeschäftigten, Frauen und Männern sowie zwischen Ost- und Westdeutschland. Differenzierungen innerhalb dieser Gruppen und Anteilsverschiebungen zwischen ihnen fielen demgegenüber deutlich weniger ins Gewicht. Hinter diesen Treibern stehen nach Horn ein Skill-bias in der technologischen Entwicklung, eine abnehmende Lohnmobilität der Beschäftigten, ein Rückgang der Tarifbindung und schließlich eine Segmentierung zwischen marktbeherrschenden Superstar-Firms der digitalen Ökonomie und traditionellen Firmen der analogen Ökonomie. Da Einkommensungleichheit nach Horn das wirtschaftliche Wachstum schwächt, hält er grundlegende Kurskorrekturen in der Arbeitsmarktregulierung sowie in der Steuer- und der Bildungspolitik für angezeigt.

Die von Horn bereits angerissenen Auswirkungen wirtschaftlicher Ungleichheit auf das Wachstum von Volkswirtschaften stehen im Mittelpunkt des Beitrags von Jochen Hartwig. Er diskutiert zunächst die ideengeschichtliche Debatte um Arthur Okuns klassischen Trade-off zwischen Gleichheit und Effizienz, der viele Jahrzehnte lang das ökonomische Denken im Mainstream prägte. Wirtschaftspolitisch habe das seinen Niederschlag gefunden in den Konzepten der Angebotspolitik, wie sie vor allem durch Ronald Reagan und Margaret Thatcher in die Tat umgesetzt wurden. In jüngerer Zeit rücke stattdessen die These in den Vordergrund, nach der wirtschaftliche Ungleichheit zu wachstumshemmenden sozialen Spannungen bis hin zum Ausbruch von Krisen führen könne.

Sehr ausführlich referiert Hartwig die empirischen Untersuchungen zu diesem Thema. Internationale Organisationen wie die OECD, der IWF, die Weltbank und die ILO haben Ergebnisse präsentiert, die auf eine eher wachstumsdämpfende Wirkung von Ungleichheit hinweisen, auch wenn die Evidenz zuweilen schwach und widersprüchlich erscheint. Einen vielversprechenden Ansatz zur Erfassung der unterschiedlichen Auswirkungen von Ungleichheit auf das Wachstum könnten nach Hartwig postkeynesianische Modelle in der Tradition von Michael Kalecki bieten. Demnach sei zu unterscheiden zwischen „lohngeleiteten“ und „profitgeleiteten“ Ländern, wobei eine Umverteilung zugunsten des Faktors Arbeit in ersterem Fall das Wachstum fördere, in letzterem Fall das Wachstum dämpfe. Doch auch in diesem Modellrahmen sei die empirische Evidenz alles andere als eindeutig. Dass soll aber nach Hartwig nicht dazu verleiten, die Verteilungsfrage politisch zu ignorieren, denn es gäbe vielfältige andere gute Gründe, gegen Ungleichheit vorzugehen.

Welche Auswirkungen steigende Staatsschulden auf die interpersonelle Einkommensverteilung haben, analysiert Carl-Christian von Weizsäcker in seinem Beitrag. Seine modelltheoretischen Überlegungen dazu stützt er auf kapitaltheoretische Ansätze in der Tradition von Eugen von Böhm-Bawerk. Für die Verteilung zwischen heutigen und künftigen Generationen kommt es demnach entscheidend darauf an, ob der risikofreie nominale Kapitalmarktzins über oder unter der wirtschaftlichen Wachstumsrate liegt. Liegt der Zins darüber, so gehe eine steigende Staatsverschuldung zulasten künftiger Generationen; liegt der Zins darunter, gelte das nicht. Da der Autor an anderer Stelle wiederholt erläutert hat, warum der Zins seiner Ansicht nach heute durchweg unterhalb der Wachstumsrate liegt, folgt daraus die wirtschaftspolitische Empfehlung, das Ausmaß der Staatsverschuldung tendenziell zu erhöhen. Doch selbst wenn der Zins über der Wachstumsrate liegen sollte, könne man aus Gründen der intergenerationalen Gerechtigkeit dennoch für eine höhere Staatsverschuldung plädieren, denn alle historische Erfahrung mache deutlich, dass künftige Generationen durch den technologischen Fortschritt privilegiert würden.

Die Auswirkungen der Staatsverschuldung auf die intragenerationale Verteilung diskutiert von Weizsäcker in einem einfachen Modell, das zwischen Armen und Reichen unterscheidet. In der ersten Modellvariante, in der die Reichen Geldvermögen besitzen, führt Staatsverschuldung übersteigende Zinseinkommen zu mehr Ungleichheit. In der zweiten Modellvariante, in der die Reichen über Grundvermögen verfügen, gehen höhere Staatsschulden zulasten der Reichen, da die Bodenrente reduziert werde. Als Fazit seiner Überlegungen warnt von Weizsäcker vor Pauschalaussagen zu den Verteilungswirkungen von Staatsschulden.

Einen mikroökonomisch orientierten Ansatz wählt Georg Götz in seinem Beitrag. Er geht der Frage nach, ob die Gewinnmargen von Unternehmen – die ja einen wesentlichen Einfluss auf die personelle Einkommensverteilung ausüben – infolge einer zunehmenden Unternehmenskonzentration angestiegen sind. Dafür referiert er zunächst einmal den empirischen Befund, nach dem die Unternehmenskonzentration sowohl in Europa als auch in Nordamerika im Laufe der Zeit tatsächlich zugenommen hat. Ob daraus auch eine Abnahme der Wettbewerbsintensität folgt, sei zwar nicht eindeutig messbar, aber im Ergebnis plausibel, zumal die empirische Evidenz zugleich mit steigenden Konzentrationsraten aufsteigende Gewinnmargen hindeutet. Diese Entwicklung werde sich künftig fortsetzen, denn steigende Konzentrationsraten seien vor allem in technologieintensiven Branchen zu beobachten, die im Zuge des intersektoralen Strukturwandels stetig an Bedeutung gewinnen würden.

Vor diesem Hintergrund könnte es angezeigt erscheinen, die Wettbewerbspolitik zu verschärfen, um einer weiteren Zunahme der Ungleichverteilung entgegenzuwirken. Dabei müsse allerdings im Auge behalten werden, dass der Einfluss der Wettbewerbspolitik auf die Einkommens- und Vermögensverteilung doch sehr begrenzt sei. Die Wettbewerbspolitik solle sich deshalb auch weiterhin vorrangig um den Wettbewerb und nicht um die Verteilung kümmern.

Eine spezifischere und politisch brisante Fragestellung greift Stefan Okruch in seinem Beitrag auf. Er geht der Frage nach, ob Manager verdienen was sie verdienen. Die Frage, ob die Managervergütungen „angemessen“ sind, vermag auch er nicht zu beantworten. Aber er zeigt auf, wie stark sie sich seit Beginn der 1980er Jahre von der allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung abgekoppelt haben. Mittlerweile gehe keineswegs mehr um eine quantité négligeable, denn die Vergütungen der jeweils fünf bestbezahlten Manager machten gegenwärtig rund zehn Prozent der Unternehmensgewinne aus, während dieser Wert in den 1990er Jahren noch bei rund fünf Prozent gelegen habe.

Okruch gibt anschließend einen Überblick über die verschiedenen Regulierungsansätze, mit denen in der EU und anderswo versucht worden ist, den Anstieg der Managergehälter zu begrenzen. All diese Versuche seien jedoch ins Leere gelaufen und hätten bisweilen sogar die entgegengesetzte Wirkung erzielt. So bleibe den Aktionären wohl nichts anderes, als ihre vermeintlich rationale Apathie aufzugeben und einen genaueren Blick auf die Entlohnung der von ihnen kontrollierten Manager zu werfen.

In dem Beitrag von Ivo Bischoff, Björn Frank und Vibeke Müller wird analysiert, ob die Menschen bei ihren Wahlentscheidungen ähnlich großes Gewicht auf die Reputation etablierter Marken legen wie bei ihren Konsumentscheidungen. Sie haben dazu ein verhaltensökonomisch konzipiertes Forschungsprojekt aufgelegt, in dessen Rahmen erste Befragungsergebnisse ausgewertet werden konnten. Sie stellen fest, dass die Überzeugungskraft politischer Argumente stark davon abhängt, ob sie Politikern mit höherer oder mit geringerer Reputation zugeschrieben werden.

Die Autoren betonen, dass sie mit ihren Arbeiten erst am Anfang stehen. Doch ihr Beitrag macht deutlich, wie wichtig es für Ökonomen sein kann, Erkenntnisse aus dem Grenzbereich von Mikroökonomie und Sozialpsychologie in die Darstellung und öffentliche Präsentation wirtschaftspolitischer Konzepte einzubeziehen.

Den Abschluss dieses Sonderhefts bildet ein Beitrag von Kees van Paridon zum Thema inklusives Wachstum. Er vergleicht die sozialen Spannungen, die bei einer Zunahme wirtschaftlicher Ungleichheit entstehen können, mit der Selbstentzündung eines unzureichend getrockneten Heuhaufens. Lange Zeit sehe das Heu harmlos und unverdächtig aus, um sich dann plötzlich in einen extrem gefährlichen Brandherd zu verwandeln. Als wesentliche Ursache der Spannungen identifiziert er die sehr ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne in den vergangenen Jahrzehnten. Insbesondere die ärmsten Bevölkerungsschichten hätten nicht an den Einkommenssteigerungen partizipiert. Erfreulicherweise rückten aber diese Entwicklungen und die daraus resultierenden sozialen Spannungen allmählich stärker in den Fokus der ökonomischen Forschung und die Politikempfehlungen internationaler Organisationen.

Der Beitrag von van Paridon passte leider nicht mehr in das dicht gedrängte Tagungsprogramm von Witten, aber dafür passt er umso besser in dieses Sonderheft. Denn er verdeutlicht sehr eindringlich, wie ernst wir Verteilungsfragen nehmen sollten, die allzu eher ein Schattendasein lange in der wirtschaftspolitisch orientierten ökonomischen Forschung und Politikberatung geführt hatten.

Gustav A. Horn: Wie entstand die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland und was sollte man dagegen tun?

Der Beitrag zeigt die Entwicklung der Einkommensungleichheit in Deutschland auf. Es zeigt sich, dass diese im Verlauf des vorigen Jahrzehnts deutlich zugenommen und sich selbst im gegenwärtigen Aufschwung mit hohen Beschäftigungszuwächsen nicht wieder nach unten korrigiert hat. Im Beitrag wird nach den Ursachen dieser Tendenz gefragt. Umverteilung zugunsten der Kapitaleinkommen, aber auch eine höhere Ungleichheit innerhalb der Lohneinkommen sowie eine eher regressive Steuer- und Abgabenpolitik schälen sich als Erklärungen heraus. Ferner werden die wirtschaftspolitischen und – am Rande – die politischen Implikationen diskutiert, die durch die so veränderten Verhältnisse erzeugt wurden. So gibt es Hinweise, dass eine hohe Ungleichheit Wachstum und Stabilität einer Volkswirtschaft schädigt.

The article shows the development of income inequality in Germany. It shows that income inequality has increased significantly over the past decade and has not corrected downwards even in the current upswing with high employment growth. The article examines the causes of this trend. Redistribution in favour of capital income, but also a higher inequality within wage incomes as well as a rather regressive tax policy emerge as explanations. Furthermore, the economic policy implications and – marginally – the political implications generated by the changed conditions are discussed. For example, there is evidence that high inequality adverely affects growth and stability of an economy.

Jochen Hartwig: Wachstumsfolgen von Einkommensungleichheit – Theorie, empirische Evidenz und Politikempfehlungen

Einkommensungleichhheit sei „the defining challlenge of our time“ sagte der damalige US-Präsident Barack Obama in einer Rede im Dezember 2013. Zweifellos hat die Finanzkrise und die schleppende Konjunkturentwicklung in ihrem Gefolge die steigende Ungleichheit stärker in den Fokus gerückt. Dieser Überblicksartikel befasst sich mit den Wachstumsfolgen von Einkomensungleichheit sowohl aus theoretischer als auch aus empirischer Sicht. Beide Perspektiven liefern uneindeutige Ergebnisse dazu, ob Ungleichheit „gut“ oder „schlecht“ für das Wirtschaftswachstum ist. Dies stellt ein Problem für die Wirtschaftspolitik dar, wenn über steuerpolitsche Maßnahmen entschieden werden muss, welche die Ungleicheit tangieren. Andererseits kann man vertreten, dass Maßnahmen, die die soziale Gerechtigkeit erhöhen, sich nicht unbedingt einem Test unterziehen müssen, ob sie das Wirtschaftswachstum erhöhen oder nicht. Einige Politikempfehlungen zur Verringerung der Ungleicheit werden im vorliegenden Beitrag ebenfalls diskutiert.

Income inequality is “the defining challenge of our time”, former US President Barack Obama said in a speech in December 2013. Undoubtedly, the financial crisis and the sluggish recovery in its aftermath have increased the attention to rising inequality. This survey addresses the consequences of income inequality for economic growth from a theoretical and from an empirical angle. Both perspectives yield inconclusive results on whether inequality is ‘good’ or ‘bad’ for growth. This poses a problem for policymakers contemplating (e. g. tax) policies aimed at raising or lowering inequality. On the other hand, policies to promote social justice arguably do not need to pass a ‘do they increase economic growth?’ test. Some policy proposals which would reduce inequality are discussed as well.

Carl Christian von Weizsäcker: Verteilungswirkungen von Staatsschulden

Es wird eine Methode vorgeschlagen, mit deren Hilfe in den betrachteten hypothetischen Fällen eindeutige Verteilungsergebnisse von Staatsschulden abgeleitet werden können. Ausgangspunkt ist eine verallgemeinerte „Golden Rule of Accumulation“. Nimmt man den Golden Rule Pfad als „Benchmark“ kann man für Abweichungen von ihm eindeutige Verteilungsergebnisse von Staatsschulden feststellen. Das geht sowohl für die Verteilung zwischen verschiedenen Generationen als auch für die Wohlstandsverteilung innerhalb einer Generation.

I propose a method by which one can derive unambiguous distribution effects of public debt policies. The benchmark is a generalized “Golden Rule of Accumulation” path. Certain deviations from that path by changes in public debt policies have unambiguous distributional effects. I provide examples for this method for the income distribution between generations as well as for the income distribution within any given generation.

Georg Götz: Wettbewerbspolitik, Marktmacht und die Einkommen der oberen Zehntausend – Eine anekdotische Bestandsaufnahme

Der Aufsatz diskutiert die jüngste Literatur zur Entwicklung von Unternehmenskonzentration und Gewinnmargen. Der an verschiedenen Stellen unterstellte Zusammenhang zwischen dem Anstieg dieser Größen und derjenigen der Einkommens- und Vermögensungleichheit wird evaluiert. Dabei zeigt sich, dass sehr hohe Einkommen und der Anstieg großer Vermögen häufig Resultat besonderer unternehmerischer Erfolge und damit in erster Linie Effizienz- und nicht Marktmachtgetrieben sind. Um einen möglichen Einfluss der Wettbewerbspolitik auf die Konzentrations- und Margenentwicklung zu überprüfen, werden die Aktivitäten der Wettbewerbsbehörden auf Ebene der USA, der EU und Deutschlands überblicksartig dargestellt und auf ihre Wirkungen hin analysiert. Der Befund ist über die verschiedenen Tätigkeitsbereiche und Jurisdiktionen hinweg uneinheitlich und reicht vom under-enforcement bis zum over-enforcement. Eindeutig scheint hingegen, dass eine zunehmende Regulierungsdichte negativ auf die Dynamik von Unternehmensgründungen wirkt und damit zum Anstieg der Konzentration beiträgt. Die Verteilungswirkungen der Wettbewerbspolitik scheinen beschränkt, Umverteilung erfordert andere Politikinstrumente.

The article discusses the recent literature on the evolution of business concentration and profit margins. The alleged link between the increase in these variables and that of income and wealth inequality is being evaluated. It is shown that very high incomes and the increase of large fortunes are often the result of particular entrepreneurial successes and thus primarily driven by efficiency rather than by market power. In order to examine the possible influence of competition policy on concentration and margin development, the activities of the competition authorities at the US, the EU and the German level are presented in an overview and analyzed for their effects. The findings are inconsistent across the different areas of activity and jurisdictions, ranging from under-enforcement to over-enforcement. On the other hand, it seems clear that an increasing density of regulation has a negative effect on the dynamics of start-ups and thus contributes to an increase in concentration. The distributional effects of competition policy seem limited; redistribution requires other policy instruments.

Stefan Okruch: Gerechtigkeit durch Recht? Möglichkeiten und Grenzen der (Selbst-)Regulierung der Managementvergütung

Wachstum und Höhe von Managementvergütungen sind Gegenstand hitziger öffentlicher Debatten und anhaltender wirtschaftswissenschaftlicher Kontroversen – und werden zunehmend rechtlich reguliert, immer stärker auch durch Europäisches Recht. Im nationalen wie im supranationalen Recht für börsennotierte Gesellschaften werden vor allem die Struktur und die „Angemessenheit“ der Vergütung, die Transparenz von Vergütung und Vergütungspolitik sowie zunehmend die Mitsprache der Anteilseigner geregelt. Da die Notwendigkeit einer Regulierung der Vergütung theoretisch keineswegs eindeutig ist, kann Selbstregulierung möglicherweise das besser geeignete Mittel zur Überwachung der Managementvergütung sein.In Richtung einer „Aktionärsdemokratie“ wirkt die EU schon seit langem, aktuell verstärkt auch mit dem Ziel der Kontrolle der Managementvergütung. Möglichkeiten und Grenzen dieser Selbstregulierung werden aus einer konstitutionenökonomischen Perspektive analysiert.

The level and growth of management compensation are not only a matter of a vivid public debate but are also the subject of ongoing academic controversies. Although, from an economic point of view, it is far from certain that there is a need for regulation and which measures to take, executive remuneration in listed companies has been subject to a growing number of regulations on both the national and the supranational, i.e. the European level. To a lesser extent, the regulations target the absolute level of management pay, the most prominent targets have been the structure of executive compensation and its relation to the managers’ performance, the internal governance of remuneration issues, and the transparency of compensation and compensation policy. Currently, regulatory measures focus on shareholder empowerment what also includes “say on pay”. This trend towards self-regulation is especially prominent in the EU that has long-since promoted the idea of a European “shareholder democracy”. Prospects of and limits to this kind of self-regulation of executive compensation are discussed in terms of Constitutional Economics by conceptualizing the company as a constitutional order.

Ivo Bischoff, Björn Frank, Vibeke Müller: Wirtschaftspolitische Wählerpräferenzen: Unabhängig – oder manipulierbar durch politische Handelsmarken?

Wir gehen der Frage nach, ob – ähnlich wie bei privaten Kaufentscheidungen - eine Marken-Heuristik auch bei (wirtschafts-)politischen Einstellungen eine Rolle spielt: Haben Politikernamen oder Parteien Markencharakter? In einem Surveyexperiment konfrontieren wir unsere Probanden mit Zitaten von bekannten Politikerinnen und Politikern und fragen, inwieweit die Probanden diesen Statements zustimmen. Wir verwenden zwei Treatments, eines ohne Nennung der Urheber und eines mit. Die Nennung der Urheber beeinflusst die Zustimmung zu den Statements, wenn diese sich auf Allokationsfragen beziehen. Bei Fragen zu Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen hingegen finden wir keinen Urhebernennungseffekt.

Consumers are using brands to infer the quality of goods; in this study we investigate whether a similar logic applies to people’s opinions on economics and economic policy: Do politicians serve as “brands”? We tackle this question with a survey experiment; respondents evaluate statements with either no source given, or with the actual source attributed. The treatment (naming the source) has an impact on the subjects’ assessment of statements on allocation, but not on those concerning economic justice and distribution.

Kees van Paridon: Towards a more inclusive future - On the delicate balance between economic change and social stability in a time of globalisation

Globalization and technological developments are very positive developments, but increasingly their negative consequences become more severe, especially for lower educated groups in society. Also the major changes in educational levels of employed people have a similar impact. This article shows a number of long term developments for the Netherlands, showing that until the 1980s the many changes could be handled more or less adequately to keep the society inclusive, but that thereafter the social divisions have increased considerably. The recent rise in social discontent, in populism, can be connected to this rising inequality. This pattern is not typical Dutch, it seems relevant for most develoed economies.