List Forum

List Forum 04/2017

Justus Haucap
Vorwort

Eugen Wendler
Was kann die heutige Wirtschaftswissenschaft von Friedrich List (1789–1846) lernen? Teil I: Die ideologische Basis von Lists Gedankengebäude

Eugen Wendler
Was kann die heutige Wirtschaftswissenschaft von Friedrich List (1789–1846) lernen? Teil II: Die Arbeitswert- und Geldtheorie von Friedrich List

Torsten J. Gerpott
Zero-Rating-Praktiken von Internetzugangsanbietern

Gregor Beyer, Dagmar Borchers, Manuel Frondel, Marcus Hrach, Ole Kutzschbauch, Roland Menges, Stephan Sommer, Stefan Traub
Die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende

Susanna Kochskämper
Der demografische Wandel als Herausforderung für die umlagefinanzierte Kranken- und Pflegeversicherung

Fritz Söllner
Das Dilemma der Integration – die Flüchtlingskrise und ihre Verteilungswirkungen

Susanne Cassel, Tobias Thomas
Spielraum für nachhaltige Staatsfinanzen jetzt nutzen

Susanne Cassel, Tobias Thomas
Chancen der Migration nutzen

 

Justus Haucap: Vorwort

Das List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik dient dem Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis über wirtschafts- und finanzpolitische Gegenwartsfragen. In der Zeitschrift erscheinen vor allem Beiträge zu aktuellen Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik in Deutschland und Europa sowie Abhandlungen zu Fragen, die grundsätzlich von wirtschafts- oder finanzpolitischem Interesse sind. Die wirtschaftspolitische Relevanz der Beiträge ist für das List Forum dabei von zentraler Bedeutung.

Zugleich fühlen sich die Herausgeber auch dem Gedächtnis an den Namensgeber Friedrich List und der Auseinandersetzung mit seinem Werk verpflichtet. Weil dies in der Vergangenheit sehr kurz gekommen ist, freuen sich die Herausgeber, dass es gelungen ist, den wohl renommiertesten List-Experten, Professor Dr. Dr. Eugen Wendler, Emeritus an der Hochschule Reutlingen, für eine Aufsatzreihe zu gewinnen. Das Generalthema dieser Reihe lautet: „Was kann die heutige Wirtschaftswissenschaft von Friedrich List lernen?“ Vorgesehen sind insgesamt sieben Beiträge, von denen sich die ersten beiden in diesem Heft befinden. Konkret werden folgende Beiträge erscheinen:
  1. Die ideologische Basis von Lists Gedankengebäude
     
  2. Die Arbeitswert- und Geldtheorie von Friedrich List
     
  3. Friedrich List als Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft
     
  4. Die sieben Todsünden der Ökonomie aus Sicht von Friedrich List
     
  5. Friedrich List als Vordenker der Europäischen Integration
     
  6. Der Stellenwert des technischen Fortschritts in Lists Theorie der produktiven Kräfte
     
  7. Die geopolitischen Visionen von Friedrich List

Gerade in Zeiten, in denen Dogmengeschichte an vielen Hochschulen eher auf dem Rückzug begriffen ist, freuen wir uns, mit dieser Aufsatzreihe einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Werk von Friedrich List leisten zu können und danken zugleich dem Kollegen Eugen Wendler, dass er die Ergebnisse seiner langjährigen List-Forschung mit uns teilt.

Eugen Wendler: Was kann die heutige Wirtschaftswissenschaft von Friedrich List (1789–1846) lernen? Teil I: Die ideologische Basis von Lists Gedankengebäude

Im ersten Teil der Artikelserie wird die ideologische Basis von Lists ökonomischem Gedankengebäude dargestellt, auf der seine Visionen und sein soziales System der Politischen Ökonomie beruhen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob und inwieweit Lists Theorien zeitlos gültig sind und damit auch und gerade für die heutige Wirtschaftswissenschaft einen hohen Erkenntniswert besitzen. Dabei geht es u. a. auch um den systemimmanenten Vergleich mit Adam Smith und Karl Marx. Anschließend werden der philosophische Ansatz und das politische Weltbild von Friedrich List dargestellt. Seine Ansichten über die Verbindung von Theorie und Praxis sowie seine didaktischen Prinzipien runden dann den Teil I dieser Artikelserie ab.

In remembrance of Friedrich List, Prof. Dr. Dr. Eugen Wendler presents in the forthcoming issues a series of essays under the general topic “What can today’s science of economics learn from Friedrich List (1789-1846)?”. The first essay depicts the ideological basis of List’s economic concept on which his visions and his social system of the political economy are based. The focal point of this analysis is the question of whether and to what extent List’s theories are timeless and consequently still relevant for today’s economists. This includes, among others, a comparison of List’s approach with the concepts of Adam Smith and Karl Marx. Subsequently, Friedrich List’s philosophical approach as well as his opinion on the geopolitical order are presented. The first essay on List concludes by providing an outlook on how List aimed to connect theory and practice and on his didactic principles.

Eugen Wendler: Was kann die heutige Wirtschaftswissenschaft von Friedrich List (1789–1846) lernen? Teil II: Die Arbeitswert- und Geldtheorie von Friedrich List

Teil II der Artikelserie beschäftigt sich mit den fundamentalen Forschungsgebieten der Volkswirtschaftslehre: der Arbeitswerttheorie und der Geldtheorie. Im ersten Teil werden Lists Ansichten zur Bedeutung des Produktionsfaktors Arbeit, zur Arbeitswerttheorie und zum Gesetz der Kraftvereinigung bzw. Konföderation der produktiven Kräfte und im zweiten Teil dessen Ausführungen zur Geldtheorie, zu Metallgeld und Banknoten, zur Bedeutung der Handelsbilanz für den Nationalwohlstand sowie zu Banken und anderen Kreditinstituten dargestellt und auf die Gegenwart projeziert. Ohne einer Bewertung des Lesers vorgreifen zu wollen, sind wir der Auffassung, dass Friedrich List angesichts der bescheidenen empirischen Gegebenheiten und Befunde in der Frühphase der Industrialisierung überzeugende theoretische Ansätze zur Arbeits- und Tauschwerttheorie sowie zur Geldtheorie entwickelt hat, die sich alle durch spätere Erkenntnisse und Erfahrungen nicht nur bestätigt haben, sondern auch zeigen, wie sich List gegenüber Adam Smith und dessen Anhängern mit eigenständigen Erkenntnissen und Schlussforderungen in der Frühphase der Nationalökonomie zu Wort meldete. Wenn man diese Ausführungen mit anderen deutschsprachigen Abhandlungen zur Volkswirtschaftslehre aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergleicht, dann wird deutlich, dass List sowohl inhaltlich, wie auch sprachlich ein wissenschaftlicher Quantensprung geglückt ist.
 
Part II of the series of essays on Friedrich List focuses on the fundamental areas of research within economics, the labor theory of value and the monetary theory. First, List’s views on the significance of the production factor labor, the labor theory of value and the aggregation of productive forces are described and applied in today’s context. Likewise, List’s concepts of the monetary theory, including discussions on coins and banknotes, credit institutions as well as the relevance of trade balance for the national prosperity are analyzed. Altogether, we conclude that List provided credible theoretical concepts, which were not only affirmed by follow-on research, but also indicate how List could distant himself from Adam Smith and his followers by providing independent findings. This is particularly intriguing when considering that empirical methods and tool hardly existed in the early stage of industrialization. Further, when comparing List’s explanations with other German-speaking research in economics of the first half of the 19th century, it becomes apparent that List made a scientific breakthrough in the context of content and language.
 
Torsten J. Gerpott: Zero-Rating-Praktiken von Internetzugangsanbieter

Unter Zero-Rating-Angeboten (ZRA) versteht man Tarifvarianten von Anbietern von Internetzugangsdiensten über Fest- oder Mobilfunknetze, bei denen der durch die Nutzung bestimmter (Online‑)Anwendungen erzeugte Internetverkehr nicht auf das Datenvolumen angerechnet wird, das Kunden über ihren monatlichen Grundpreis oder direkt mengenabhängige Preise bezahlen. Befürworter von ZRA stufen sie als verbraucher- und wettbewerbspolitisch unbedenklichen Ansatz zur Preisdifferenzierung ein, dessen Ausgestaltung Marktkräften überlassen werden sollte. Kritiker von ZRA sehen sie als subtile, aber schwerwiegende Verletzung von Prinzipien der Netzneutralität. Opponenten fordern deshalb ihr Verbot durch Gesetz oder durch für den Telekommunikationssektor zuständige nationale Regulierungsbehörden. Weltweit und insbesondere in der EU stellen sich die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für ZRA derzeit so dar, dass Regulierer von Fall zu Fall zu analysieren haben, ob sie ein konkretes ZRA mit Auflagen versehen, weil es den Interessen von Endnutzern oder Anwendungsanbietern zuwider läuft oder die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs zwischen Anwendungs- und Internetzugangsdiensteanbietern beeinträchtigt. Damit ist zu klären, welche ZRA-Fallmerkmale in solche Prüfungen einbezogen werden sollen und welche Merkmalsausprägungen gegen bzw. für Regulierereingriffe in ZRA sprechen. Der vorliegende Beitrag arbeitet neun ZRA-Gestaltungsmerkmale, drei Merkmale von mit ZRA adressierten Kundengruppen und drei strukturelle Merkmale von Märkten für Internetzugangsdienste und -anwendungen heraus, denen bei Entscheidungen bezüglich der (Nicht‑)Notwendigkeit staatlicher Regulierung von ZRA hohe Relevanz beizumessen ist. Die Untersuchung zeigt, dass in vielen Situationen den Interessen von Endkunden und Anwendungsanbietern sowie dem Ziel der Wettbewerbsstärkung eher Rechnung getragen wird, wenn Regulierungsbehörden ZRA tolerieren und sie nach ihrer Markteinführung im Hinblick auf unerwünschte Effekte überwachen. Außerdem verdeutlich sie, dass empirische Studien zu Kundenreaktionen auf ZRA dringend erforderlich sind.
 
Zero rating (ZR) is the practice of providers of Internet access via fixed or mobile telecommunication networks of excluding traffic generated by specific online applications from usage counted towards capped allowances or strictly metered tariffs of their end customers. Advocates of ZR characterize such offers as a form of price differentiation that is non-hazardous from a consumer and a competition policy perspective and whose concrete design should be left to market forces. Critics of ZR offers suggest that they are subtle, but severe violation of network neutrality principles. Therefore, opponents call for a legislative general ban on ZR practices or for case-related interventions of national regulatory authorities responsible for the telecommunication sector. Worldwide and particularly in the EU, current regulatory frameworks for ZR offers imply that regulators have to examine on a case by case basis whether they prohibit a concrete ZR offer or restrict it by conditions because it runs counter to the interests of end customers or application providers or impedes effective competition between application and Internet service providers. Thus, it is necessary to clarify which case features ought to be inspected in such assessments and which feature levels speak against or in favor of regulatory measures linked to ZR offers. The present article identifies nine design features of ZR offers, three characteristics of customer groups targeted by such offers and three structural characteristics of the markets for Internet access services and applications that are of special importance in decisions concerning the need to regulate (to abstain from regulating) ZR practices. The analysis shows that in many instances interests of end customers, application providers as well as of politicians seeking to promote the competitive dynamics on Internet service and application markets are served best if regulatory authorities tolerate ZR offers and control for potential harmful effects after their market launch. Moreover, the study reveals that empirical research on customer reactions to ZR practices is urgently required.
 

Das Institutionendesign ist seit jeher ein zentraler Bestandteil der Wirtschaftspolitik in allen Wirtschaftssystemen. Institutionen schränken den Handlungsspielraum von bestimmten privaten und öffentlichen Akteuren ein, erzeugen damit neue Handlungsfreiräume bei anderen Entscheidungsträgern und setzen zugleich Anreize für Verhaltensweisen, die als gesellschaftlich wünschenswert angesehen werden. Aus diesen Gründen hat sich der Ausschuss für Wirtschaftspolitik (im Verein für Socialpolitik) auf seiner Jahrestagung mit dem Oberthema „Wirtschaftspolitik als Institutionendesign“ beschäftigt. Das vorliegende Sonderheft enthält die auf dieser Tagung gehaltenen wissenschaftlichen Vorträge.

Im ersten Beitrag beschäftigt sich Jan Schnellenbach aus verhaltensökonomischer Sicht mit Problemen politischer Entscheidungsverfahren. Der Ansatzpunkt des Aufsatzes besteht darin, dass Politiker nicht nur den vielfach untersuchten Interessen- und Kontrollproblemen unterliegen, sondern dass ihre Entscheidungen natürlich auch von den normalen menschlichen Entscheidungsverzerrungen und Rationalitätsmängeln, wie sie in der Verhaltensökonomik untersucht werden, behaftet sind. Hierauf aufbauend argumentiert er, dass die Delegation politischer Entscheidungen an politische Entscheidungsträger keineswegs als Substitut für die fehlende Rationalität der Bürger dienen kann. Vielmehr bedarf es eines offenen und wettbewerblichen politischen Entscheidungsverfahrens, das die systematischen Entscheidungsverzerrungen der Individuen noch am besten einschränkt. Außerdem liefert der Verfasser weitere Gründe dafür, dass bewährte Institutionen, wie z. B. Checks-and-balances oder die Regelbindung der Politik, positive Beiträge zur Vermeidung von Entscheidungsverzerrungen liefern. Schließlich plädiert er für die Einrichtung unabhängiger Organisationen, die Wahrnehmungsverzerrungen in öffentlichen Diskursen durch Aufklärungsmaßnahmen entgegenwirken.

Susanna Kochskämper: Der demografische Wandel als Herausforderung für die umlagefinanzierte Kranken- und Pflegeversicherung

In den letzten Monaten wurde insbesondere die langfristige Tragfähigkeit der Gesetzlichen Rente in Politik und Öffentlichkeit diskutiert. Dabei traten die anderen Sozialversicherungszweige in den Hintergrund. Insbesondere in der Gesetzlichen Kranken- und in der sozialen Pflegeversicherung sind jedoch Reformen ebenso dringend geboten. Denn auch sie sind vom demografischen Wandel langfristig betroffen. Zum einen steigen die durchschnittlichen Krankheits- und Pflegekosten mit zunehmendem Lebensalter an. Eine insgesamt ältere Bevölkerung verursacht daher Ausgabensteigerungen in beiden Versicherungszweigen – selbst wenn die Menschen in Zukunft gesünder wären, als sie es heute sind. Zum anderen werden die Beiträge einkommensabhängig erhoben. Da jedoch die Alterseinkommen im Durchschnitt unterhalb der Erwerbseinkommen liegen, sinkt das durchschnittliche beitragspflichtige Einkommen. Die umlagefinanzierten Systeme der Gesetzlichen Kranken- und der sozialen Pflegeversicherung sind daher sowohl auf der Ausgaben- als auch auf der Einnahmenseite vom demografischen Wandel betroffen. Ohne weitere Reformen ist daher auch für diese beiden Systeme mit Beitragssatzsteigerungen zu rechnen. Diese Entwicklung stellt der Politik daher zwei Aufgaben: Erstens ist sie gefordert, neue Ansätze und Wege für diese beiden Sozialversicherungszweige zu finden, sollen die Beitragssätze langfristig nicht aus dem Ruder laufen. Zweitens ist bei der Diskussion um einzelne Sozialversicherungszweige das gesamte Bild im Auge zu behalten: Werden für die Gesetzliche Rentenversicherung mittelfristige Beitragssatzerhöhungen diskutiert, so sollte nicht vergessen werden, dass selbige auch in der Gesetzlichen Kranken- und in der sozialen Pflegeversicherung drohen.

Recently, the sustainability of the German statutory pension system has been discussed intensively in the public. However, reforms are also necessary for the statutory health insurance and for the statutory long-term care insurance. They are also affected by demographic change in the long term: Health costs and especially costs for long term care highly depend on age. Furthermore, contributions to these statutory social insurances relate on earnings and pensions as well as taxes. For on average, pensions are lower than earnings, an ageing society also affects the revenue side of both pay-as-you-go systems. Without further reforms contributions for both insurances have to rise in order to finance the current entitlements. This will also be the case even if people will be healthier on average in the future than they are today. Therefore, new approaches for these two insurance systems are required if contribution rates should not get out of hand.

Fritz Söllner: Das Dilemma der Integration – die Flüchtlingskrise und ihre Verteilungswirkungen

Der gegenwärtige massive Zustrom von Flüchtlingen führt zu einer Reihe von Verteilungswirkungen, wobei zwei, vielleicht auch drei Phasen unterschieden werden können. Zunächst, wenn die Flüchtlinge unmittelbar nach ihrer Ankunft untergebracht und versorgt werden, sind kaum ausgeprägte Verteilungswirkungen zu erwarten. Zu diesen kommt es in der Folgephase, wenn die gering qualifizierten Flüchtlinge als Anbieter von Arbeit und als Nachfrager nach billigem Wohnraum auftreten. Dann wird die Einkommensverteilung ungleichmäßiger, da die einheimischen gering qualifizierten Arbeitskräfte unter sinkenden Löhnen und steigenden Mieten leiden werden, wohingegen die Kapitaleigner und die besser qualifizierten, gut bezahlten Arbeitskräfte profitieren werden. Da die Einkommensverteilung umso ungleichmäßiger werden wird, je besser die Integration der Flüchtlinge gelingt, kann von einem „Dilemma der Integration“ gesprochen werden. Es kann noch eine dritte Phase folgen, falls es gelingt, die Qualifikation der gering qualifizierten (einheimischen oder zugewanderten) Arbeitskräfte zu erhöhen, der Kapitalstock ausgeweitet wird und die Einkommen auch in den unteren Einkommensbereichen wieder steigen. Dann und nur dann wird die Einkommensverteilung wieder gleichmäßiger werden.

The massive migration of refugees to Germany has important consequences for the income distribution which can roughly be divided into two, possibly three, phases: At first, immediately after their arrival, when the refugees live in shelters and are taken care of by the government, there will be no pronounced distributional effects. Afterwards, when the refugees enter the labour market as suppliers of unskilled, poorly-paid labour and the housing market as demanders for cheap apartments, the income distribution will become more unequal because the native unskilled workers tend to suffer from decreasing wages and increasing rents whereas the owners of capital and the suppliers of skilled, well-paid labour stand to gain. Thus, a “dilemma of integration” results: The better and the quicker integration proceeds, the more unequal the income distribution will become. Eventually, there might – but by no means need – be a third phase, if the qualification of (native or immigrant) unskilled workers is improved, the capital stock is increased and the wages of low income earners rise again. Then, and only then, will the income distribution become more equal again.

Susanne Cassel, Tobias Thomas: Spielraum für nachhaltige Staatsfinanzen jetzt nutzen

  • Politikanalyse
    • Schuldenregeln waren in der Eurozone bislang wenig glaubwürdig.
    • In den nächsten zehn Jahren besteht wegen der demografischen Entwicklung in Deutschland Spielraum, um die öffentlichen Haushalte zu konsolidieren.
    • Deutschland verspielt aufgrund einer falsch angelegten Bildungsfinanzierung Chancen auf mehr Beschäftigung, Wachstum und solide Finanzen.
  • Politikempfehlung
    • Strikte „No-bail-out“-Regel und Insolvenzordnung für Staaten innerhalb der Eurozone etablieren.
    • Konsequente Haushaltskonsolidierung in den kommenden zehn Jahren, um „demografische Dividende“ auszunutzen.
    • Frühkindliche und schulische Bildung weitgehend staatlich, universitäre Ausbildung mehr privat finanzieren.

The enormous public debt in many European countries, but also in Japan or the USA, is becoming increasingly problematic. In Germany, in addition to the financial implications of the European public debt crisis, demographic change is particularly jeopardizing the sustainability of public finances and social security systems. Over the next ten years, demographic trends are still favourable for budget consolidation: the share of the economically active population relative to the total population is still relatively high whereas the number of children has already decreased and there are not yet as many retirees. In addition, the German educational system has to be funded differently: early childhood education as well as primary and secondary education should be largely financed by the state while tertiary education should be paid for privately. This would improve the educational opportunities for children from less educated households as well as their employment opportunities. This contributes to more sustainable public finances.

Susanne Cassel, Tobias Thomas: Chancen der Migration nutzen

  • Politikfeldanalse
    • Die aktuelle Zuwanderung nach Deutschland ist im internationalen historischen Vergleich sehr hoch.Ein Großteil der Zuwandernden besitzt eher nur eine geringe Qualifikation.
    • Mangelnde Qualifikation und bestehende Hürden auf dem Arbeitsmarkt erschweren eine schnelle Integration.
  • Politikempfehlung
    • Flächendeckend Sprachkurse sowie Qualifikationsangebote schaffen.
    • Arbeitsmarkt öffnen: Wartefristen und Vorrangprüfung abschaffen, Abschlussmöglichkeit von Ausbildungen garantieren und Ausnahmen vom Mindestlohn einführen.
    • Zur Fachkräftesicherung Einwanderung mit einem Zuwanderungsgesetz steuern.

In recent years, international migration has increased strongly. The motives are different: Many people leave their home countries in order to start a new career as worker or self-employed. Others want to study. Finally, many people from crisis regions are seeking asylum. In 2015 far more than one million have migrated to Germany. In order to take advantage of the opportunities of immigration, refugees with a long-term perspective and recognized asylum seekers should be given access to the labour market or offered education and training as soon as possible. Existing barriers to the labour market must be removed. In addition, the conditions for labour migration should be designed in such a way that Germany is well positioned in the international competition for skilled workers. For this purpose, it is necessary to manage immigration in line with the needs of the labour market.